Interview mit Frank Doerr / Reikiland

Im Frühjahr 2006 bat mich die Reiki-Lehrerin und Autorin Nona Simakis („Agapa – die Kunst der bedingungslosen Liebe“) um ein Interview, das seitdem auf ihrer Website Lichtpforte.de im Bereich „News und Infos“ zu finden ist. Es ging dabei um Hintergrund-Infos zum Reikiland wie auch um Ansichten zu Reiki oder weitere Projekte, so dass ich das Interview den LeserInnen hier nicht vorenthalten möchte. Und danke Nona, die anschließend Mitglied unserer Redaktion wurde.

 


Nona: Was ist eigentlich deine Intention so ein Online- Magazin auf zubauen? Ist dieses Magazin nicht eher eine Reiki- Homepage? Wo liegt deines Erachtens der Unterschied zwischen beiden Begriffen?

Frank: Als die Seite 1999 Online ging, war es auch eher eine normale Website. Doch bereits 2000 änderte sich dies, als ich anderen Reiki-Meistern anbot, Chat und Forum auch auf ihrer Website zu integrieren, diese Medien mit zu administrieren und Einfluss auf unsere Ausrichtung zu nehmen. Ich habe selbst erst Anfang 2006 realisiert, was das Reiki-land wirklich ist. Der Unterschied zu einer normalen Reiki-Homepage besteht darin, daß es ein Team von Administratoren und Moderatoren gibt, die sich eigenverantwortlich um Forum und Chat kümmern, sowie ein Team von Redakteuren, die den Content-Bereich gestalten. Letzteres war nur lange Jahre lang nicht so klar, da die Redaktionsfunktion einiger Menschen hinter der Moderations tätigkeit verborgen lag.

Nona: Wieviel Zeit verbringst Du damit und jetzt mal ganz ehrlich nur zwischen uns 😉 verdient man gut dabei??

Frank: Die investierte Zeit ist unterschiedlich. Manchmal arbeite ich – in Zeiten, in denen mir dies möglich ist – einige Stunden täglich an der Seite. Dies geschah beispielsweise beim Relaunch, der ab Mitte Januar 2006 sechs Wochen lang intensive Arbeit erforderte. Auch die ersten Jahre nach der Gründung des Chats Mitte 2000 war ich jeden Tag mehrere Stunden Online – ein Chat funktioniert nicht, wenn die Menschen dort keinen Ansprechpartner finden. Auch in ruhigen Zeiten vergeht kaum ein Tag, an dem ich nicht die ein oder andere Stunde zumindest die wichtigsten Entwicklungen im Forum verfolge. Ich liebe dieses „Baby“ einfach, sonst würde ich mich nicht über so lange Zeit hinweg so sehr darum kümmern.

Der Betrieb des Reiki-land kostet Geld und bringt Geld. Teuer war der Betrieb eines eigenen Servers, den ich vor allem wegen des Chat-Systems gemietet hatte. Da habe ich in eineinhalb Jahren über 1200 Euro verbraten. Seit ich 2005 klare Kriterien angelegt, das Serverexperiment beendet und mich von einigen Domains getrennt habe, liegen die Kosten jetzt nur noch bei ein paar Euro pro Monat. Verdient habe ich früher über das Partnerprogramm von Amazon – 2003 beispielsweise 250 Euro im Jahr. Leider zahlt Amazon mittlerweile viel schlechter als früher, so dass die Werbung mit Google zur Haupteinnahmequelle geworden ist, 850 Euro im letzten Jahr. Davon behält das Finanzamt natürlich noch einen Teil ein, so dass das Reiki-land angesichts der eingesetzten Arbeitsstunden bislang noch nicht mal als Ein-Euro-Job Anerkennung finden würde 😉

Nona: Siehst Du eine Veränderung, seit den Erkenntnissen von Frank Petter im westlichen Reiki –System?

Frank: Zu allererst waren die Erkenntnisse von Arjava nicht wirklich neu. Er war allerdings der erste, der es in Buchform brachte und damit vielen Reiki-Praktizierenden, die ohne Anbindung an eine Reiki-Gemeinschaft lebten, neue Einblicke ermöglichte. Aufgrund seiner Publikationen ist etwas geschehen, was ich in meiner Rezension seines ersten Buches geschrieben habe: es ist vielen klar geworden, dass sie nur Äste am Stamm eines Reiki-Baumes sind und keinen Anspruch als alleinige Vertreter eines einzigen, wahren Reiki haben. Mit Ausnahme von Angehörigen des Radiance-Stiles, die sich bislang – zumindest in ihrem öffentlichen Auftreten – als lernresistent zeigen. Und Teile der freien Reiki-Lehrer-Szene scheinen seine Bücher aus einem Gefühl der Enttäuschung heraus eher als Freibrief für wilde Experimente zu sehen denn als einen Aufruf „Back to the roots“.

Nona: Wie haben die Allianz Mitglieder reagiert (Erkenntnisse)

Frank: Gerade Mitglieder der Alliance wußten bereits vorher um seine Erkenntnisse. Nicht umsonst haben einige von Ihnen sehr intensive Verbindungen nach Japan. Sie wollten meiner Ansicht nach allerdings die von Takata gepflegte „mündliche Tradition“ in Ehren halten und viele waren nicht sonderlich amüsiert über Arjavas Bücher. Ich denke, dass Franks Publikationen auch hier wichtige Prozesse ausgelöst haben.

Nona: Deine Vision über Reiki ist?

Dass jeder Reiki-Praktizierende eine angemessene Synthese aus Toleranz gegenüber anderen Stilen und größtmöglicher Verantwortung für das von ihm praktizierte System findet.

Nona: Als Herausgeber des Buches “Die Reiki-Lebensregeln, Windpferd Verlag”, sag uns wenn Du die Lebensregeln neu schreiben dürftest, würde es eine andere geben?

Frank: Zur Zeit nicht. Ich finde das Buch als Ganzes sehr gelungen. Sein einziger Schwachpunkt aus meiner Sicht ist, dass sich einige Erkenntnisse in diesem Buch wiederholen. Aber das war angesichts des Fokus auf jene fünf Sätzen und der Vielzahl der AutorInnen kaum zu vermeiden. Und die Lebensregeln selbst würde ich nicht zu verändern oder erweitern wagen, solange ich nicht 20 Jahre lang mit ihnen intensiv gearbeitet hätte.

Nona: Deine negativste Erfahrung mit Reiki?

Frank: Als 1996 meine erste Tochter in einem Geburtshaus in Frankfurt auf die Welt kam, wollte ich danach für das Reiki-Magazin einen Artikel über eine Hebamme schreiben, die Frauen während der Entbindung mit Reiki unterstützt. Zum Interview war dann überraschenderweise ihre Reiki-Meisterin aus Köln angereist. Diese meinte dann, sie müssten erst die Erlaubnis der geistigen Welt einholen. Diese Meisterin wollte die Auflagenhöhe des Magazins wissen, schloss ein paar Sekunden die Augen und sagte dann das Interview ab: die geistige Welt wolle dies nicht. Außerdem sei Reiki sowie Teufelswerk, sie würde jetzt etwas anderes unterrichten. Ihre Schülerin ordnete sich dem devot unter. Ich war geschockt von soviel Aufgabe an persönlicher Verantwortung bei einer Reiki-Praktizierenden. Somit gibt es bis heute keinen Bericht im Magazin über „Reiki und Entbindung“.

Nona: Deine positivste Erfahrung?

Frank: Da waren so viele schöne Erfahrungen, dass ich kaum eine als „die Positivste“ deklarieren kann. Aber im Kontext meiner negativsten Erfahrung kann ich sagen: mit das Schönste, das ich in diesem Leben erfahren habe, war die Geburt meiner ältesten Tochter. Die ganze Schwangerschaft über konnte ich ihr und ihrer Mutter Reiki geben. Dadurch stellte sich für mich eine intensive Verbindung her und ich empfand mich als Mann nicht aus dem Prozeß ihres Werdens ausgegrenzt, sondern sogar als aktiver Teilnehmer.

Nona: Musik ist eines deiner größten Interessen, wird es bald Reiki-Music von dir geben?

Frank: Ich selbst werde wohl keine Musik einspielen, nachdem ich meine aktive Musikerlaufbahn vor einigen Jahren beendet habe. Aber ich plane einerseits Compilations für einen Verlag – CD’s, die auf die Anforderungen von Reiki-Behandlungen möglichst gut abgestimmte Reiki-Musik enthalten. Und ich habe kürzlich einen sehr sensitiven und versierten „Seelen-Musiker“ kennen gelernt, mit dem ich grade Möglichkeiten einer Zusammenarbeit auslote. Vielleicht gibt es bis zum Ende diesen Jahres noch die ein oder andere Überraschung.

Nona: Du bist oft in Gersfeld, bist du der Reiki-Allianz angehaftet?

Frank: Wer von uns mag schon Anhaftungen? 😉 Im Ernst: ich fühle mich der Reiki Alliance nahe. Mein Meister Jürgen Kindler war früher im weltweiten Vorstand, viele Meister, mit denen mich langjährige Freundschaften verbinden, sind in der Alliance oder waren es zumindest lange Zeit. Und ich habe bei diesen Menschen eine unglaubliche Tiefe gefunden in der Art und Weise, wie sie Reiki ehren und ihren Weg der Meisterschaft gehen. Gleichzeitig gehe ich meinen eigenen Weg, der mir bislang nicht unbedingt kompatibel mit der Alliance schien. Meine Freiheit, Reiki so zu praktizieren, wie ich es für mich definiere, bedeutet mir viel. Schließlich fühle ich mich sowohl im westlichen Usui Shiki Ryoho wie auch im japanischen Usui-Do zu Hause. Allerdings wird in wenig informierten Internet-Kreisen dermaßen oft zu Unrecht auf der Alliance rumgehackt, dass mir mein Gerechtigkeitssinn oft nahelegt, für die Alliance Partei zu ergreifen.

Und Gersfeld selbst – also das dort stattfindende Reiki-Festival – wird zwar von Reiki-Meistern organisiert, von denen viele in der Alliance sind, mit Phyllis Furumoto und Paul Mitchell ist auch das von der Alliance anerkannte „Office of the Grandmaster“ vertreten. Doch als Ganzes betrachte ich das Treffen unabhängig von der Alliance. Es steht jedem offen. Und was gibt es Schöneres in Sachen Reiki, als es und sich selbst in Reiki zu feiern und gleichzeitig mit mehr als hundert anderen Praktizierenden Reiki auszutauschen? Eine solche Gelegenheit ist rar und ich genieße es jedes Jahr aufs Neue.